Perspektiven für die Aartalbahn - Reaktivierung wird erneut geprüft

Herausgeber: Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen & Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz

Die Bundesländer Hessen und Rheinland-Pfalz sowie die zuständigen Aufgabenträger im ÖPNV sind sich einig: Die Reaktivierung der Aartalbahn für den Schienenpersonennahverkehr entlang der ehemaligen Eisenbahnstrecke zwischen Wiesbaden und Diez bzw. Limburg an der Lahn soll im Rahmen einer Machbarkeitsuntersuchung neu überprüft werden. Anlass für diesen Vorstoß ist die Neufassung des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes des Bundes vom März vergangenen Jahres, in dem als neuer, gesonderter Fördertatbestand die Reaktivierung von Schienenstrecken aufgenommen wurde. Zwar hat der Bund noch nicht alle Förderkriterien bestimmt, dennoch soll parallel hierzu bereits mit der Untersuchung begonnen werden.

„Mit einer reaktivierten Aartalbahn können verkehrliche Wirkungen weit über Diez, Limburg sowie Wiesbaden und Mainz hinaus generiert und der schienengebundene Personennahverkehr entscheidend attraktiver gemacht werden“, sagten Hessens Staatssekretär Jens Deutschendorf und der rheinland-pfälzische Verkehrsstaatssekretär Andy Becht. „Durch die Reaktivierung kann ein durchgehender Schienenverkehr im Berufs-, Schüler- und Freizeitverkehr im gesamten Aartal realisiert und gleichsam die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden vom hohen Durchgangsverkehr mit einer Schienenalternative entlastet werden“, sagte Deutschendorf.

Auch für die rheinland-pfälzischen Regionen rund um Diez an der Lahn und Hahnstätten würde eine Reaktivierung der Aartalbahn eine verbesserte Anbindung an den ÖPNV von Diez über das Aartal bis nach Mainz bedeuten, so Becht. „Die Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung ist ein klares Bekenntnis zur Stärkung der Schiene“, sagte Becht.

Das ist das zielgerichtete Ergebnis einer Videokonferenz der für das Verkehrsressort zuständigen Ministerien beiderseits des Rheins sowie des Rhein-Main-Verkehrsverbundes, des Zweckverbands Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord sowie der anliegenden Kreise und kreisfreien Städte, also Wiesbaden, die Landkreise Rheingau-Taunus und Rhein- Lahn und die Verbandsgemeinden Aar-Einrich und Diez als Eigentümer der Trasse in Rheinland- Pfalz. Alle Beteiligten sind sich darin einig, dass die Reaktivierung attraktive und zuverlässige Anschlüsse zum übrigen Eisenbahn- und Busnetz herstellen und damit ein Bestandteil des Deutschlandtaktes werden kann, an dessen schrittweiser Umsetzung gearbeitet wird. Die reaktivierte Strecke soll sich nahtlos einfügen in die bereits erzielten und künftig geplanten Verbesserungen im Mobilitätsangebot.

Für die Ausschreibung der erneuten Machbarkeitsstudie wird der RMV in enger Abstimmung mit allen Beteiligten die Federführung übernehmen. Die neu aufgesetzte Studie soll Potenziale und Möglichkeiten aufzeigen, wie eine reaktivierte Aartalbahn den Untertaunus sowie die Region um Diez enger an den Ballungsraum anbinden und verbundübergreifend attraktive neue Verbindungen für Hessen und Rheinland-Pfalz schaffen könnte. Maßgeblich für die Bewertung der Gutachter ist die konkrete Ausgestaltung der erweiterten Bundesförderung. In der Machbarkeitsuntersuchung sollen bereits vorliegende Erkenntnisse aus früheren Untersuchungen ebenso wie zwischenzeitlich geänderte Rahmenbedingungen Berücksichtigung finden. So muss nach dem Aus der Citybahn bei einer Reaktivierung der Südabschnitt zwischen Wiesbaden und Bad Schwalbach nunmehr nicht als Straßenbahn, sondern als Eisenbahnstrecke neu betrachtet werden. In einer konstituierenden Sitzung soll ein projektbegleitender Arbeitskreis eingerichtet werden, in dem die Untersuchungsergebnisse jeweils beraten und Festlegungen getroffen werden, zum Beispiel zur Einbindung eines externen Moderators. Zu der Studie wurde eine gemeinsam abgestimmte Öffentlichkeitsarbeit verabredet.